Titel Final

Bridezilla- I say YES to the Dress!

Lookbook
19.08.2016 18:28

Ich kann euch nicht genau sagen wann ich damit angefangen habe einen Ordner mit Hochzeitskleidern auf meinem Notebook anzulegen.  Mein Zukünftiger hätte zu Beginn unsere Beziehung vermutlich eine Panikattacke bekommen, hätte er da mal reingeschaut. So viele Bräute habe ich schon angezogen und den Schleier ins Haargesteckt. Jetzt war es endlich bei mir soweit. Ich durfte mit meinen Liebsten losziehen und mein perfektes Kleid suchen. Hach.

Alex hatte mir schon prophezeit dass wir am Ende der suche vermutlich Hausverbot in den umliegenden Geschäften hätten. Ich hatte mich schon darauf eingestellt dass mich sämtliche Verkäuferinnen hassen würden.

Warum? Nun ja. Ich hatte ganz genaue Vorstellungen. Nur waren es ca. 5 verschiedene. Neben dem Ordner auf dem Notebook war da noch einer auf dem Smartphone und natürlich eine prall gefüllte Pinterest- Pinnwand.

Fließender Softtüll, oder Chiffon. Spitze gern aber nicht zu viel. Evtl. mit Trägern aber bitte ohne Glitzer. Wenn Glitzer dann nur einen Eyecatcher. Nein und bloß blooooß keinen Schleier.

Die Liste ging noch weiter. Knöpfe am Rücken, ein Sweatheart-Ausschnitt. Ich habe geklungen wie ein Brautkleid-Lexikon. Der Knaller war aber immer mein Abschlusssatz: Aber ich bin offen für alles, Ich weiß schließlich nicht was mir steht….was für eine blöde Kuh ich doch bin.

Nun stellen wir uns die Brautkleidsuche ja immer so vor wie es uns von  good old Hollywood beschrieben wird. Champagner für die Mädels, ein flauschiges Separee und eine emsige Verkäuferin die uns sagt keine Frau zuvor hätte in diesem Kleid so umwerfend ausgesehen.

Naja. In der Realität sieht es anders aus. Durch unsere Erfahrungen wusste ich im Vorfeld schon dass es in verschiedenen Geschäften, verschiedene Regeln gibt:

1. Die Beratung kostet Geld, welches natürlich mit dem Brautkleidkauf verrechnet wird….sofern man in diesem Laden etwas findet.

2. Selbst nach Kleidern stöbern geht nicht überall (finde ich auch gut, sofern man eine kompetente Beraterin hat)

3. Beliebig viele Kleider kann man nicht überall anprobieren (kann ich verstehen doch was soll man machen wenn man schon beim Schnitt nicht weiß was einem steht?)

4. Auf Fotografieren steht die Todesstrafe.

Aufgrund dieser Erkenntnisse beschloss ich sehr sehr systematisch an die Sache ran zugehen.

“Schauen Sie einfach da vorne mal, da hängt ihre Größe”

Der erste Laden in den ich ging bot eine kostenlose Beratung. Ich wählte ihn um mir erst einmal klar zu werden welche Schnitte mir stehen und welche eher unvorteilhaft sind.

Leider stellte sich heraus dass die Beratung kostenlos war weil sie quasi nicht gegeben war.

“Auf der Stange befindet sich Ihre Größe, schauen Sie einfach mal durch.” Nun denken einige von euch vielleicht-ist doch super man kann selbst stöbern.

Kleider, die in Plastiksäcke gestopft sind kann man jedoch nicht wirklich erkennen und so waren wir sehr schnell genervt und irgendwie sah alles doof aus.

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Dennoch hatten wir es geschafft 10 Kleider auszusuchen. Umgehauen hat uns keines…aber man fängt ja klein an.

Die emotionslose, fast schon missmutige Beraterin hat mich geduldig an und ausgezogen jedoch keinerlei Kommentare gegeben. Auf Fragen nach Änderungen an einem Kleid kam immer : Da müsste man dann die Schneiderin fragen.

Die Schneiderinnen wurden aber nicht zu rate gezogen. Auf die Frage nach einer anderen Stola zu diesem Kleid wurde ich aufgefordert doch zwei Etagen tiefer bei der Abendgarderobe zu schauen. Ich könnte noch lange erzählen aber im Gesamten reicht es glaube ich wenn ich sage: Satz mit X…und bitte machen Sie keine Fotos von dem Kleid. (Eine andere Verkäuferin hat ständig Alex Handyaktivitäten beobachtet )

“Was ist denn Ihre Größe? Das müsste man dann bestellen das geht jetzt nicht zu.”

Im nächsten Laden buchte ich einen 1-stündigen Kennenlern-Termin. Die Beratung fand im Verkaufsraum statt, ich durfte mir 4 Kleider zum anprobieren aussuchen. Im Vorfeld zeigte ich der Verkäuferin zwei Kleider die ich im anderen Laden ausgesucht hatte sie aber leider eine Nummer zu klein waren. Deshalb war es mir wichtig nur Kleider zu probieren die mir auch wirklich passen würden. Die Beraterin brachte mir eine Auswahl an Kleidern und es konnte losgehen.

Keines der Kleider (die mir die Beraterin brachte) hat auch nur Ansatzweise gepasst. Ich fühlte mich wie ein kleiner Elefant der unbedingt Ballerina sein möchte, was von der klaustrophobischen Kabine noch verstärkt wurde. Außerdem musste ich um mich zu betrachten immer raus in den Verkaufsraum, das war wirklich klasse, wie fremde Leute zuschauen konnten wie ich meine Brüste festhielt….die Kleider gingen schließlich nie zu.

Ein ausführlicherer Termin in dem Laden wäre berechnet worden, jedoch hatte ich keine Lust noch mehr Kleider anzuprobieren in die mein Kreuz nicht passen würde. Ich ging also mit ramponiertem Selbstbewusstsein und ohne Kleid aus dem Laden.

So langsam war ich angepisst. Wann würde der Termin kommen bei dem ich herausgeputzt werde und meine Anhänger voller Ehrfurcht OH und AHHHH rufen würden?

Es half alles nichts. Ich rief in Alzey an.

Alex, meine Mutter und meine Trauzeugin machten sich mit mir auf in Pfalz zu Maria Moden in Alzey.

Wir wurden herzlich begrüßt und endlich, endlich bekamen wir einen privaten Bereich mit einer riesen Umkleidekabine. Die Besitzerin hatte mich kurz betrachtet und sich meine Wünsche angehört. Dann schoss Sie auch schon los.

Will sie denn garnicht meine Größe wissen?

Nein wollte Sie nicht. Ruck-zuck kam sie mit 4 Kleidern zurück. Nicht nur dass jedes ohne Probleme zu ging, es saßen auch alle wie angegossen. Fasst jedesmal wenn der Vorhang aufging begrüßte meine Jury mich mit den heiß ersehnten Ohhhs und Ahhhs. Es war klar-heute würde ich meine Kleid finden.

Die Beraterin ging auf meine Wünsche ein und erklärte bei jedem Kleid wo die Stärken aber auch die Schwächen lagen. Jede gewünschte Änderung wurde sofort genau erklärt und auch die Accesoires wurden direkt ausgewählt. Schnell hatten wir zwei Favoriten-da wurde es haarig. Ich stand wie ein nervliches Wrack vor diesem großen Spiegel.

“Könnte man doch nur Fotos machen um direkt zu vergleichen…”

“Machen Sie doch Fotos, Sie hätten die ganze Zeit fotografieren können.”

Es war kurz mucksmäuschen still dann zückten alle ihre Smartphones. Maria wurde nicht müde,  mich noch dreimal in beide Kleider zu bugsieren und dann fiel die Entscheidung.

Der Sekt ließ dann auch nicht auf sich warten, ich gebe zu ich konnte auch wirklich einen vertragen. Es war ein wunderschöner, emotionaler Tag und ich fühlte mich genauso wie man sich bei seinem Brautkleidkauf fühlen sollte. Schön, besonders und vor allem verstanden.

Mein Kleid bleibt zwar unter Verschluss. Aber hier habe ich eines für Euch dass mir auch sehr sehr gut gefallen hat.

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Tipps für die Brautkleidsuche?

Der erste Laden muss nicht der letzte sein.

Wenn ihr unsicher seid schlaft drüber.

Kommuniziert ganz deutlich euer Budget, bevor ihr im Traumkleid steckt, es euch aber zu teuer ist.

Lasst euch Zeit mit Accessoires. Man wird sehr schnell dazu verleitet Schleier, Schmuck, Stola und Haarschmuck direkt zu kaufen. Oft stellt sich danach heraus dass der Haarschmuck nicht zur gewünschten Frisur passt, der Schleier zu schwer ist und die Stola sowieso keine braucht. Macht da erstmal langsam, diese Dinge kann man erst später auswählen.

Eine Top-Beratung ist das A und O. Eine Beraterin sollte ein Gespühr für euren Körperbau haben und klare Aussagen bei Änderungswünschen geben können.

Seid offen für anderes….es kommt oft anders als man denkt…..

…..ich hätte auch niemals gedacht dass ich dass ich tatsächlich einen Schleier in Erwägung ziehe :)

 

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